Was mich beschäftigt

Der Krankenwagen kostet bald Geld?

In der Schule sprechen wir im Politikunterricht ganz oft über den Sozialstaat auf der einen Seite und über Steuern und Abgaben auf der anderen. Viele meiner Schüler:innen sind dann entsetzt, wenn wir darüber sprechen, was gestrichen werden müsste, wenn man Steuern und/oder Abgaben abschaffen würde. In der Oberstufe nehme ich gerne die Kosten für eine Geburt, bei den Kleinen die Kosten für den Transport in das Krankenhaus, wenn man beim Fußball einen Muskel abgerissen hat oder vom Klettergerüst gefallen ist. Zumindest letzteres kann ich wohl bald nicht mehr als Beispiel bringen.

Essen will als erste Stadt in NRW bald Patienten 267 Euro für eine Krankenwagenfahrt berechnen. Hintergrund sind die Kosten für Fehlfahrten, bei denen am Ende niemand im Krankenhaus aufgenommen wird. Diese werden bislang auf alle Einsätze umgelegt, die Krankenkassen wollen das aber nicht länger bezahlen.

Hendrik Geisler fasst es in seinem Kommentar eigentlich gut zusammen. Das ist ein Schritt in Richtung menschenverachtender Zustände und es macht meiner Meinung nach alles einfach nur kompliziert. Wer muss denn zahlen? Die Ersthelferin, die die Situation „falsch eingeschätzt hat“, aber nur helfen wollte? Die Person, die mitgenommen werden muss? Als Lehrkraft habe ich schon zweimal den Krankenwagen gerufen. Beide Male wurde das Kind mitgenommen, aber einmal wurde es nach einer Begutachtung im Krankenhaus abends heimgeschickt. Ich kann mir das als Beamter leisten und wäre im Zweifel auch willig, das durchzuklagen. Vielleicht ist es aber auch einfach eine ganz doofe Idee, das System komplizierter zu machen.

Das Problem mit den anfallenden Kosten ist real, aber die Lösung ist meiner Meinung nach wo anders zu suchen. Wieso fahren denn die Menschen eher mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus? Gibt es zu wenig Ärzte? Sind die Ärztinnen zu weit weg? Braucht man ein Auto, um zum Arzt zu kommen?

Foto von camilo jimenez auf Unsplash

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