Die Sache mit der Zeit
Ein Teil meines Berufes ist, dass ich jeden Tag vor Kindern stehe, die sich alle immer im gleichen Altersbereich bewegen. Natürlich sehe ich die Kinder von der 5. bis zur 10. Klasse 5 oder 6 Jahre lang groß werden, ein paar auch sieben Jahre lang 😅, aber es ist immer dieses Alter. Ich jedoch werde älter. Grundsätzlich habe ich da kein Problem mit, ich habe keine Angst vor der 40 nächstes Jahr oder trauere der 20 als Zahl nach. Ich habe aber so ein paar Momente, da ist mir bewusst geworden, dass ich älter geworden bin.
Mein erster Moment war, als ich in der Schule stand und realisierte, dass meine Schüler:innen den 9. September nicht mehr als einschneidenden Moment ihres Lebens betrachten, weil sie erst danach geboren waren. Ich habe das damals mit dem RAF-Moment meiner Elterngeneration verglichen. Einige Zeit später saß ich in Darmstadt an der Uni und verstand, dass die Studis mich nicht mehr als Kommilitonen ansehen, sondern als Weirdo, der gerade im Studi-Café sitzt und Club Mate trinkt. Das tat tatsächlich kurz irgendwie weh.
Diese Woche stand ich in einer 8. Klasse und habe meine Reihe zu Klima und Wetter angefangen und wie üblich meine Stories erzählt. Zum Beispiel die Story als ich in der 6. Klasse nicht mit dem Fahrrad in die Schule konnte, weil der Schnee zu hoch lag. Das haben meine Schüler:innen fast alle noch nicht erlebt und werden es wahrscheinlich auch nie mehr erleben.
Der Klimawandel ist für Kinder noch abstrakter als für Erwachsene, weil sie dieses ominöse Früher gar nicht erlebt haben.
Das mit der Zeit ist schon eine komische Sache.
Foto von Murray Campbell auf Unsplash
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